UNMISS: Als Militärbeobachter unterwegs auf dem Nil im Südsudan

14/09/2026 às 13:3230 Aufrufe
Patrouille per Boot: Der Weiße Nil ist für viele Dörfer die einzige Verbindung zur Außenwelt. 
Bundeswehr/UNMISS
Patrouille per Boot: Der Weiße Nil ist für viele Dörfer die einzige Verbindung zur Außenwelt. Bundeswehr/UNMISS
Foto: Bundeswehr / Bundeswehr (Alemanha)

UNMISS: Als Militärbeobachter unterwegs auf dem Nil im Südsudan

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Der Südsudan ist seit 2011 unabhängig. Trotz positiver Entwicklungen und Einbindung fast aller Gruppen in den Friedensprozess bleibt die Sicherheitslage weiter sehr fragil. Drei Viertel der Bevölkerung, das sind rund neun Millionen Menschen, sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Daher bleibt das Engagement der Vereinten Nationen wichtig.

Patrouille per Boot: Der Weiße Nil ist für viele Dörfer die einzige Verbindung zur Außenwelt. Bundeswehr/UNMISS
Patrouille per Boot: Der Weiße Nil ist für viele Dörfer die einzige Verbindung zur Außenwelt. Bundeswehr/UNMISS

Patrouille per Boot: Der Weiße Nil ist für viele Dörfer die einzige Verbindung zur Außenwelt.

Bundeswehr/UNMISS

Hauptmann Sebastian R. ist Feldjägeroffizier in der Bundeswehr und seit mehreren Monaten als Militärbeobachter bei UNMISS, der Mission der Vereinten Nationen im Südsudan, eingesetzt. Sein Auftrag: beobachten, zuhören, vermitteln und berichten. Und genau diese Aufgaben führen ihn immer wieder auch an sehr entlegene Orte des ostafrikanischen Landes. Er berichtet von einer Patrouille:

„Die beiden Außenborder brummen gleichmäßig, während sich unser Patrouillenboot vom Anleger in Malakal, der Hauptstadt des Bundesstaats Central Upper Nil im Nordosten Südsudans, löst. Langsam verschwindet die weitgehend im Bürgerkrieg zerstörte Stadt hinter uns. Vor uns liegen rund zwei Stunden Fahrt auf dem Weißen Nil, vorbei an Schilflandschaften, kleinen Fischersiedlungen und einer scheinbar endlosen Wasserwelt. Für viele Menschen ist dieser Fluss die einzige Verbindung zur Außenwelt. Für mich ist er heute der Weg zur Arbeit.

An diesem Morgen lautet unser Ziel Diel, eine kleine Gemeinde, etwa 60 Kilometer von Malakal entfernt. Im Juni 2024, also vor gut zweieinhalb Jahren, war eine Patrouille der Vereinten Nationen zum letzten Mal hier.

Der Nil ist heute die Straße

Wer an Patrouillen denkt, hat häufig Geländewagen in sandiger und staubiger Umgebung vor Augen. Im Südsudan sieht das oft auch anders aus. Viele Regionen werden hier während der Regenzeit nahezu unpassierbar. Dann übernimmt der Nil die Rolle als Verkehrsader: Lebensmittel, Baumaterial, Menschen und Hoffnung reisen über das Wasser.

Je weiter wir uns von Malakal entfernen, desto deutlicher wird diese Realität. Am Ufer ziehen Fischer ihre Netze ein. Kinder winken unserem Boot nach. Vereinzelt treiben schmale Holzkanus auf dem ruhigen Wasser. Dazwischen liegen Sumpfgebiete und kleine Ansiedlungen, die von außen beinahe vergessen wirken.

Gemeinsam mit meiner kenianischen Kameradin Major Linda, Kollegen der UN-Polizei, einem Übersetzer sowie Kräften aus Ruanda und Bangladesch bin ich Teil eines multinationalen Teams. Diese internationale Zusammenarbeit zur Erfüllung eines gemeinsamen Auftrags gehört zu den Dingen, die mich an meinem Einsatz hier jeden Tag aufs Neue beeindrucken.

Ankunft in Diel

Als wir am Ufer anlegen, werden wir bereits erwartet. Der Verwaltungschef des Bezirks, lokale Würdenträger und weitere Vertreter der Gemeinde begrüßen uns herzlich. Viele Menschen versammeln sich neugierig in der Nähe des Anlegers. Für uns ist es eine Patrouille, für die Menschen hier ist es ein Zeichen, dass ihre Sorgen gehört werden.

Bereits nach den ersten Gesprächen wird deutlich, dass der Ort in den vergangenen Monaten schwere Zeiten erlebt hat. Noch im Februar 2026 kam es in der Umgebung zu bewaffneten Zusammenstößen, Häuser wurden beschädigt oder ganz zerstört, Familien waren gezwungen, ihre Heimat zeitweise zu verlassen. Heute wirkt die Lage ruhig, Kinder spielen zwischen den Hütten, Frauen tragen Wasserbehälter vom Fluss in das Dorf. Die Menschen gehen ihrem Alltag nach, und genau das ist oft das sichtbarste Zeichen von Stabilität.

Sicherheit ist mehr als Waffenruhe

Im Laufe der Gespräche wird jedoch klar, dass Frieden hier weit mehr bedeutet als das Ausbleiben von Schüssen. Diel verfügt über keine Schule, keine Klinik, keine gesicherte Trinkwasserversorgung. Die Menschen schöpfen ihr Wasser direkt aus dem Nil. Wer ernsthaft erkrankt, muss aktuell auf Hilfe von außerhalb hoffen. Die Verantwortlichen berichten von Malaria, Durchfallerkrankungen und dem Mangel an medizinischer Versorgung. Besonders betroffen seien die Kinder und werdende Mütter.

Einige Wünsche werden immer wieder genannt: eine mobile Klinik, ein Arzt, Medikamente oder zumindest ein Boot, um Kranke im Notfall in die nächste Behandlungsstation bringen zu können. Während ich mir Notizen mache, wird mir erneut bewusst, wie eng Sicherheit und Lebensbedingungen miteinander verbunden sind. Ein friedliches Dorf braucht nicht nur Stabilität, es braucht Perspektiven.

Zuhören gehört zum Auftrag

Viele stellen sich unter einem militärischen Einsatz etwas anderes vor: Fahrzeugkolonnen, Kontrollpunkte, Operationen. Der Alltag eines Militärbeobachters besteht jedoch häufig „nur“ aus Gesprächen. Wir sprechen mit Verwaltungsbeamten, Dorfältesten, Sicherheitskräften und den Bewohnerinnen und Bewohnern. Wir fragen nach Entwicklungen, hören zu. Wir dokumentieren unsere Beobachtungen und leiten die Informationen innerhalb der Mission weiter. 

Nicht jede Herausforderung lässt sich lösen. Aber jede Information hilft dabei, ein umfassenderes Bild der Lage zu gewinnen und frühzeitig auf Entwicklungen reagieren zu können. Manchmal beginnt Unterstützung damit, dass überhaupt jemand zuhört.

Warum sich der Einsatz lohnt

Am frühen Nachmittag verlassen wir Diel wieder. Die Sonne steht inzwischen hoch über dem Nil. Die Hitze liegt schwer über dem Wasser, während unser Boot Kurs zurück nach Malakal nimmt. Auf dem Rückweg passieren wir Atar, eine Siedlung, die noch vor kurzer Zeit aufgrund von Überschwemmungen verlassen war. Auch solche Beobachtungen gehören zu unserem Auftrag.

Als die ersten Gebäude von Malakal wieder am Horizont erscheinen, endet ein weiterer Patrouillentag. Zurück bleiben Berichte, Notizen, neue Erkenntnisse und für mich vor allem das gemeinsame Ziel der UN-Mission: Frieden und Stabilität zu fördern.“

von UNMISS/Bundeswehr 

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Quelle
Bundeswehr (Alemanha)
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