Fünf Jahre Jüdische Militärseelsorge für Soldatinnen und Soldaten

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18/09/2026 às 09:0755 görüntüleme
Fahnenjunker David O. (links) war einer der jüdischen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die gemeinsam mit Gästen aus Bundeswehr und jüdischer Gemeinschaft das fünfjährige Jubiläum des Militärrabbinats feierten 
Bundeswehr/Rolf Klatt
Fahnenjunker David O. (links) war einer der jüdischen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die gemeinsam mit Gästen aus Bundeswehr und jüdischer Gemeinschaft das fünfjährige Jubiläum des Militärrabbinats feierten Bundeswehr/Rolf Klatt
Foto: Bundeswehr / Bundeswehr (Alemanha)

Fünf Jahre Jüdische Militärseelsorge für Soldatinnen und Soldaten

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Fahnenjunker David O. ist jüdischer Soldat bei der Bundeswehr. Er vereint Dienst und Religion und setzt dabei auf die Unterstützung der Jüdischen Militärseelsorge. Nun hat das Militärrabbinat sein fünfjähriges Bestehen mit einem Empfang in der W. Michael Blumenthal Akademie des Jüdischen Museums Berlin gefeiert. 

Fahnenjunker David O. (links) war einer der jüdischen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die gemeinsam mit Gästen aus Bundeswehr und jüdischer Gemeinschaft das fünfjährige Jubiläum des Militärrabbinats feierten Bundeswehr/Rolf Klatt
Fahnenjunker David O. (links) war einer der jüdischen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die gemeinsam mit Gästen aus Bundeswehr und jüdischer Gemeinschaft das fünfjährige Jubiläum des Militärrabbinats feierten Bundeswehr/Rolf Klatt

Fahnenjunker David O. (links) war einer der jüdischen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die gemeinsam mit Gästen aus Bundeswehr und jüdischer Gemeinschaft das fünfjährige Jubiläum des Militärrabbinats feierten

Bundeswehr/Rolf Klatt

In Roth bei Nürnberg hat David O. im Juli 2025 seinen Dienst als Flieger in der 7. Kompanie des Ausbildungsbataillons der Luftwaffe begonnen. In diesen Tagen beginnt er als Offizieranwärter ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg. 

Nach mehr als einem Jahr als Soldat der Bundeswehr sagt er: „Ich bin angekommen, meine Entscheidung war richtig. Die Bundeswehr bietet mir das, was ich mir vorgestellt habe: Vielseitigkeit, Kameradschaft, ein unheimlich spannendes und herausforderndes Arbeitsumfeld und ganz besonders, dass ich meinen Dienst mit der Ausübung meiner Religion vereinbaren kann.“

David O. ist orthodoxer Jude. Das bedeutet für ihn, dass er nach den jüdischen Religionsgesetzen lebt. Dazu gehört unter anderem, die jüdischen Feiertage einzuhalten und bestimmten Regeln und Ritualen zu folgen, zu festen Zeiten zu beten und auch während des Dienstes die Kippa, die jüdische Kopfbedeckung, zu tragen.

Bei der Einhaltung der religiösen Gebote unterstützen ihn die Militärseelsorger des Militärrabbinats, das in diesen Tagen sein fünfjähriges Bestehen feiert. Auf einem Empfang in der W. Michael Blumenthal Akademie des Jüdischen Museums in Berlin begingen Militärbundesrabbiner Zsolt Balla, die Militärrabbiner der Bundeswehr und zahlreiche Gäste das Jubiläum. Anlässlich von Rosch Haschana, des jüdischen Neujahrsfestes, das zwischen Anfang September und Mitte September gefeiert wird, hatte die Jüdische Militärseelsorge eingeladen. Mit dabei: Fahnenjunker David.

Militärseelsorge als ein Grund für den Dienst bei der Bundeswehr

Zum fünfjährigen Jubiläum des Militärrabbinats ist David O. einer der jüdischen Soldaten, die in der Blumenthal Akademie zu Gast sind. „Die Existenz des Militärrabbinats und die Jüdische Militärseelsorge waren für mich einer der Gründe, dass ich mich für die Bundeswehr entschieden habe. Mit dieser seelsorgerischen Unterstützung fühle ich mich als jüdischer Soldat perfekt betreut in der Truppe. Das Militärrabbinat gibt mir besonderen Rückhalt, denn ich weiß, dass ich mich mit allen Problemen an das Team wenden kann.“

In fünf Außenstellen bundesweit stehen im Moment insgesamt sieben Militärrabbiner bereit, um Seelsorge zu leisten und Lebenskundlichen Unterricht anzubieten. Dazu gehört selbstverständlich auch, allen anderen Soldatinnen und Soldaten Hilfe bei Fragen anzubieten und als Ansprechpartner bereitzustehen. 

Für viele Bundeswehr-Angehörige ist die Jüdische Militärseelsorge der erste Kontakt mit Jüdinnen und Juden: „Von meinen nichtjüdischen Kameraden werde ich immer wieder zum Judentum gefragt, denn ich gehe mit meiner Religion sehr offen um. Da ich den jüdischen Speiseregeln folge und mich streng koscher ernähre, bedeutet das zum Beispiel, dass ich mich fast komplett selbst verpflege. Auch bei Übungen und auf Truppenübungsplatzaufenthalten kann ich nicht die Truppenküche oder die üblichen Einsatzrationen nutzen. Da bin ich besonders froh, dass die Truppe mir seit einigen Monaten koschere Einpersonenpackungen (EPA) bereitstellt.“

Zum Jubiläumsempfang im Jüdischen Museum lobte Staatssekretär Jan Stöß die Arbeit des Militärrabbinats: „Die Bundeswehr hat mit der Gründung der Jüdischen Militärseelsorge vor fünf Jahren neue Wege beschritten und damit ein deutliches Signal gesetzt: Wir nehmen religiöse Bedürfnisse unserer jüdischen Kameradinnen und Kameraden ernst und bieten ihnen einen verlässlichen Raum für Spiritualität.“

Er gehörte zu den Gratulanten: Dr. Josef Schuster (2.v.r.), Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, hier im Bild mit Monika Heimburger, der Leiterin des Militärrabbinats, und Militärbundesrabbiner Zsolt Balla (Mitte). Bundeswehr/Rolf Klatt
Er gehörte zu den Gratulanten: Dr. Josef Schuster (2.v.r.), Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, hier im Bild mit Monika Heimburger, der Leiterin des Militärrabbinats, und Militärbundesrabbiner Zsolt Balla (Mitte). Bundeswehr/Rolf Klatt

Er gehörte zu den Gratulanten: Dr. Josef Schuster (2.v.r.), Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, hier im Bild mit Monika Heimburger, der Leiterin des Militärrabbinats, und Militärbundesrabbiner Zsolt Balla (Mitte).

Bundeswehr/Rolf Klatt

2019 hatten der Zentralrat der Juden in Deutschland und das Bundesministerium der Verteidigung gemeinsam den Jüdischen Militärseelsorgevertrag unterschrieben. 2021 wurde mit Zsolt Balla der erste Militärbundesrabbiner in sein Amt eingeführt. Das Militärrabbinat nahm als Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Verteidigungsministeriums seinen Dienst auf.

Für den Militärbundesrabbiner steht seit den Anfangstagen der Jüdischen Militärseelsorge das Brückenbauen im Vordergrund, Brücken zwischen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland und der Bundeswehr. „Die Brücke steht zum Glück – und auf ihr herrscht reger Verkehr“, sagte er während der Festveranstaltung zum fünfjährigen Jubiläum. Er erinnerte an den Krieg in der Ukraine und die enorme Bedeutung der Militärseelsorge. Mitten im Krieg hatte die Ukraine ihre Militärseelsorge neu aufgebaut und ungefähr 400 Militärseelsorgende eingestellt.

Zum Jubiläum erinnerte Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, an die Geschichte der Bundeswehr und der jüdischen Gemeinschaft und forderte die Anwesenden auf: „Seien Sie Botschafter, Botschafter des Militärrabbinats und Botschafter für die Selbstverständlichkeit jüdischen Lebens in Deutschland. Denn wenn das, was wir als selbstverständlich erachten, angegriffen wird, dann liegt es an uns, es zu schützen und in die Welt hinauszutragen.“

Vereinbarkeit von Dienst und Religion: Herausforderung für jüdische Kameradinnen und Kameraden

Für Fahnenjunker David ist die Vereinbarkeit von Dienst und Religion tägliches Geschäft: Jeden Morgen steht er eher auf, um seine religiösen Pflichten zu erfüllen. Viele Pausen nutzt er für das Gebet. Wenn seine Kameradinnen und Kameraden in die Truppenküche gehen, kocht oder erwärmt er sich sein koscheres Essen. Einige Zutaten bringt er aus seinem Heimatort Berlin mit. 

Im Judentum gibt es gerade im Herbst eine Vielzahl an Feiertagen, die auf normale Werktage fallen. Fahnenjunker David nimmt an diesen Tagen Urlaub, denn die Tage sind in Deutschland keine Feiertage. „Manche Herausforderungen, gerade, was die koschere Verpflegung betrifft, habe ich gemeinsam mit meinem Militärrabbiner vor Ort in Bayern, Rabbiner Abraham Radbil, gelöst, dafür bin ich sehr dankbar. Für mich ist es selbstverständlich, als Soldat bei der Truppe dabei auch mal einen Kompromiss zu machen. Mein Ziel ist es, mein Studium erfolgreich abzuschließen und dann im Dienst für mein Land an einer für mich herausfordernden Position eingesetzt zu werden. Ich freue mich schon, wenn ich auf meinen ersten Auslandseinsatz gehen kann“, sagt er.

Gute Unterstützung erfuhr David O. auch von Oberstleutnant Alexander S., seinem Vorgesetzten während des Offizierlehrgangs in Roth. „Ich konnte mich mit all meinen Fragen an ihn wenden und er hatte immer ein offenes Ohr.“

Oberstleutnant Alexander S. ist Inspektionschef an der Offizierschule der Luftwaffe in Roth. „Für mich war es am Anfang eine Herausforderung, denn ich hatte das erste Mal einen orthodoxen jüdischen Soldaten in meiner Einheit und wusste nicht, welche Besonderheiten zu beachten sind. Deshalb habe ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt, mich belesen und vorbereitet. Entscheidend waren dabei mein Telefonat mit Militärrabbiner Abraham Radbil und das persönliche Gespräch mit dem Soldaten selbst. Dabei habe ich beispielsweise gelernt, dass am Schabbat, am Freitagnachmittag, Fahnenjunker David vor Sonnenuntergang in einer Gemeinde oder zu Hause sein sollte, soweit möglich. Das konnten wir bislang immer umsetzen, auch wenn es bisweilen eine kleine Herausforderung war“, sagt Oberstleutnant S. Die Zusammenarbeit mit dem Kameraden sei angenehm, konstruktiv und ein gegenseitiges Aufeinanderzugehen.

„Für mich ist es ganz wichtig, nicht rauszustechen, sondern wie jeder andere Soldat behandelt zu werden, denn nur so sind wir eine Truppe, die von der Vielfalt lebt und im Ernstfall den Auftrag, Landes- und Bündnisverteidigung gemeinsam sicherzustellen, erfüllt“, betont David O.  

von Cornelia  Riedel

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