Brasilien muss von denen regiert werden, die Hunger erlebt haben

Von Fabio Potiguar03/10/2026 às 13:13265 Aufrufe
Carolina Maria de Jesus
Carolina Maria de Jesus
Brasil de Fato

Im Dezember 1952 verließ ein siebenjähriges Kind Pernambuco. Luiz Inácio reiste über Brasilien in 13 Tagen mit seiner Großmutter und seinen Geschwistern in einem alten Lastwagen. Wie viele Nordostbrasilianer erlebte er Armut und Migration auf der Suche nach einem besseren Leben. Er wurde Arbeiter, Mechaniker, Gewerkschaftsführer und Präsident der Republik.

Diese Geschichte erinnert mich anCarolina Maria de Jesus, Autorin von "Quarto de Despejo", eine schwarze Frau, Arme und Müllsammlerin, die Hunger in ihrem eigenen Körper erlebte: "Brasilien muss von jemandem geführt werden, der Hunger erlebt hat. Hunger ist auch ein Lehrer."

Mit diesem Gedächtnis, aber auch mit Blick auf Fakten und öffentliche Politik, treffe ich meine Entscheidungen.

Die Regierung Lula hat Maßnahmen zur Bekämpfung von Hunger und Armut, wie das Bolsa Família, die Wertsteigerung des Mindestlohns, das Minha Casa, Minha Vida, die Schulverpflegung und die Unterstützung der Kleinbauernwirtschaft, wieder aufgenommen und verstärkt. Im Jahr 2025 erreichte Brasilien 103 Millionen Beschäftigte mit einem durchschnittlichen Arbeitslosenwert von 5,6 %, dem niedrigsten Wert seit Beginn der in 2012 gestarteten Serie.

Diese Maßnahmen betreffen jedoch nicht nur die Ärmsten. Auch die Mittelschicht profitiert davon. Seit 2026 sind monatliche Einkommen von bis zu 5.000 R$ von der Einkommensteuer befreit, zusätzlich zur schrittweisen Reduzierung der Steuer für Einkommen von bis zu 7.350 R$. Das Minha Casa, Minha Vida umfasst auch Familien mit monatlichen Einkommen von bis zu 13.000 R$, wodurch der Kauf von Immobilien von bis zu 600.000 R$ ermöglicht wird.

Und es gibt eine Widerspruch, die nicht übersehen werden kann: Die Mittelschicht kann nicht jahrelang darauf vorbereiten, öffentliche Prüfungen zu absolvieren, Stabilität und Entlohnung im öffentlichen Dienst zu suchen und gleichzeitig den Minimalstaat zu verteidigen.

Und nicht nur die Begünstigten von Sozialprogrammen erhalten öffentliche Unterstützung. Auch die Unternehmenslandwirtschaft, die Industrie, der Handel und die Dienstleistungen erhalten Kredite, Finanzierungen und Anreize. Der Plan Safra 2026/2027 plant 525,1 Milliarden R$ für die Unternehmenslandwirtschaft, während der Pronaf 85,2 Milliarden R$ für die Operationen der Kleinbauernwirtschaft vorsieht. Dies zeigt, dass die Anreize der Regierung nicht nur von den Begünstigten des Bolsa Família, sondern auch von der Unternehmenswelt – und in viel größeren Proportionen – erhalten werden.

Im Jahr 2025 wuchs das BIP um 2,3 % und erreichte 12,7 Billionen R$, mit Wachstum in der Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen. Beschäftigung und Einkommen fördern auch Handel, Dienstleistungen, Kultur und Konsum.

In Brasil, we sometimes experience a confusion in understanding social classes: part of the working class imagines themselves as middle class, while part of the middle class imagines themselves as rich.

It is important to remember that both the so-called working class and a large part of the middle class live from their own work, each at their own income level. Therefore, wage increases, the appreciation of work, and income policies are of interest not only to low-income workers: they also reach and benefit the middle class that lives from its work.

In healthcare, there is SUS, Mais Médicos, and Farmácia Popular. In education, there is Pé-de-Meia, comprehensive education, literacy, federal institutes, and universities. In culture, there is the Ministry of Culture, the Paulo Gustavo Law, the Aldir Blanc National Policy, and cultural points. In public safety, there is federal funding, integration through SUSP, intelligence, and actions against organized crime, drug trafficking, and violence against women.

We must also dispel myths: Brazil has not become communist, private property has not been abolished, and churches have not been closed. The country remains a capitalist economy — to my understanding, unfortunately still marked by neoliberalism, although with a strong commitment to social policies — and is constitutionally a secular state. And secularism is not an enemy of religion: it guarantees freedom of conscience and belief for all religions and also for those who do not profess any.

As a Christian and Catholic priest, I do not confuse Church with a party. Faith transcends governments. But I also make my discernment in light of the Church's Social Doctrine: human dignity, common good, solidarity, social justice, the dignity of work, preferential option for the poor, and care for our Common Home.

Die Herausforderung besteht darin, wirtschaftliche Entwicklung, soziale Entwicklung und Nachhaltigkeit zu vereinen: Nahrung für die Bedürftigen, Arbeit und Rechte für den Arbeitnehmer, Chancen für die Mittelschicht, Bedingungen für die Landwirtschaft, eine starke Industrie, dynamische Handel und Dienstleistungen, Investitionen und Respekt für die Natur.

Dies schließt eine notwendige kritische Bewertung aus. Die Regierung Lula hat ihre Fehler, Widersprüche und Paradoxe. Es gibt unerfüllte Versprechen, politische Maßnahmen, die vorangetrieben werden müssen, und Entscheidungen, die kritisiert werden können und sollten. Eine Regierung ist kein Objekt der Verehrung: Sie muss kontrolliert und der Bürgerschaft Rechenschaft ablegen.

Ich kehre zurück zu dem Kind, das aus Pernambuco kam, und zu dem Satz von Carolina Maria de Jesus. Brasilien hat immer noch Ungleichheiten zu bewältigen, Rechte zu gewährleisten, Demokratie zu bewahren und ein gemeinsames Gut zu schützen. Und ich beende mit Bituca, Milton Nascimento, in seinem Lied und Fernando Brant, die auch durch Elis Regina verewigt wurde: "Wenn das bereits Erreichte viel ist, ist das, was sein wird, noch mehr wert."

Quelle
Brasil de Fato
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