Sieben Rekruten – Sieben Wege in die Luftwaffe

10/09/2026 às 15:205 visualizações
Bundeswehr/Cora Mohrdieck
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Foto: Bundeswehr / Bundeswehr (Alemanha)

Die Menschen hinter dem personellen Aufwuchs

Die sicherheitspolitische Lage in Europa hat sich grundlegend verändert. Dadurch stehen Landes- und Bündnisverteidigung wieder im Mittelpunkt des Auftrags der Bundeswehr. Um die damit verbundenen Aufgaben erfüllen zu können, muss die Truppe auch personell wachsen. Perspektivisch soll sie auf mindestens 460.000 Soldatinnen und Soldaten in aktiver Truppe und Reserve aufwachsen.

Dafür braucht die Bundeswehr und mit ihr die Luftwaffe vor allem eines: Menschen, die sich für den Dienst entscheiden. Deshalb investiert die Bundeswehr verstärkt in die Nachwuchsgewinnung und die Bindung ihres Personals. Erste Entwicklungen zeigen bereits: Sowohl die Zahl der Bewerbungen als auch die der Neueinstellungen liegen über dem Vorjahresniveau.

Hinter den Zahlen stehen Menschen mit unterschiedlichen Biografien, Fähigkeiten und Vorstellungen von ihrer Zukunft. Hier porträtieren wir sieben von ihnen. Vom Abitur über eine Berufsausbildung bis hin zum Studium und mehrjähriger Berufserfahrung führen ganz unterschiedliche Lebenswege in die Luftwaffe.

Drei Monate Heimatschutzausbildung beim Luftwaffenausbildungsbataillon in Germersheim liegen hinter den neuen Rekrutinnen und Rekruten. Mit dem Feierlichen Gelöbnis in Kandel haben sie diesen ersten Abschnitt ihres Weges in der Luftwaffe abgeschlossen. Sie stehen beispielhaft für die Menschen hinter dem personellen Aufwuchs und erzählen von ihrer Motivation, ihren Erfahrungen während der Heimatschutzausbildung und davon, welche Ziele sie für ihren weiteren Weg in der Luftwaffe haben.

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„Freudiger Herzschmerz.“ So beschreibt Tim N. seine Gefühle mit Blick auf das Gelöbnis. Sein Weg zur Luftwaffe führte über die Sicherheitspolitik: Nach zwei Masterabschlüssen in Geschichts- und Politikwissenschaft war er in Berlin, Brüssel, Seoul und Washington D.C. tätig. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit Luftverteidigung gegen unbemannte Systeme und Hochwertsysteme. Seine Motivation verbindet er unmittelbar mit der veränderten Sicherheitslage: „Durch meine beiden Masterabschlüsse in Geschichts- sowie Politikwissenschaft bin ich kein Neuling in der Sicherheitspolitik, aber ich habe nach einer Position gesucht, wo ich den größtmöglichen Beitrag zur Sicherheit Deutschlands sowie Europas leisten kann.“

Damit bringt Tim fachliche und internationale Erfahrungen in eine Luftwaffe ein, die sich auf neue Bedrohungen einstellen und eng mit Verbündeten zusammenarbeiten muss. Die Heimatschutzausbildung bedeutete für ihn zugleich einen Perspektivwechsel. Körperlich hat er sich bereits vor Dienstantritt intensiv vorbereitet. Die größere Herausforderung lag für ihn darin, dass nicht die individuelle Leistung, sondern die Leistung der Gruppe im Mittelpunkt steht. Stärken und Schwächen der Kameradinnen und Kameraden zu erkennen und gemeinsam besser zu werden, sieht er als wichtigen Schritt auf dem Weg zur Kameradschaft.

Nach der Heimatschutzausbildung wird Tim zunächst weitere Einblicke beim Kommando Luftwaffe gewinnen. Für seine weitere Zukunft kann er sich einen Wechsel in die Offizierlaufbahn, die Operationsplanung oder eine Verwendung im Militärattachéstab vorstellen.

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Fliegen gehört für Leon R. einfach zum Leben. „2024 durfte ich an den Discovery Days der Bundeswehr bei der Luftwaffe teilnehmen. Da ich privat auch fliege und viel mit der Luftfahrt zu tun habe, war es für mich eine klare Entscheidung.“ Einen Bezug zur Luftwaffe gibt es auch in seiner Familie: Sein Großvater und dessen Bruder leisteten dort Wehrdienst und arbeiteten an Phantom und Tornado. 

Leons eigener Weg führt dagegen in die digitale Welt. Nach der Heimatschutzausbildung will er in der Feldwebel-Laufbahn die Ausbildung zum Fachinformatiker beginnen. Damit steht sein Weg für eine Luftwaffe, deren Fähigkeiten zunehmend von Digitalisierung und moderner Technologie geprägt sind, und die zugleich in die fachliche Entwicklung ihres Personals investiert.

Bereut hat Leon seine Entscheidung bislang an keinem Tag. Aus der Heimatschutzausbildung nimmt er vieles mit. Vor seiner Zeit bei der Bundeswehr habe er wenig Sport gemacht und sei zu Hause eher unordentlich gewesen. In Germersheim fand er wieder Spaß am Sport und erlebte, wie sich sein Alltag und seine Reife veränderten. Langfristig möchte Leon sich in die Offizierslaufbahn weiterentwickeln und, wenn alles klappt, Berufssoldat werden. Seine drei Begriffe für die Heimatschutzausbildung zeigen, was ihm aus dieser ersten Zeit besonders bleibt: „Kameradschaftlich, Selbstfindungsphase, prägend.“

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Jonathan Titus H. bringt acht Jahre Erfahrung aus dem Polizeidienst mit zur Bundeswehr. Nach einem dualen Studium bei der Landespolizei Baden-Württemberg arbeitete er überwiegend im Bereich Schutzpolizei und Streife, zuletzt als Polizeioberkommissar und stellvertretender Dienstgruppenleiter. Mit dem Wechsel verändert sich sein beruflicher Blick auf Sicherheit: vom Schwerpunkt Innere Sicherheit hin zur Sicherheit nach außen. Dafür gibt Jonathan Titus eine etablierte Laufbahn auf.

Die Bundeswehr bietet ihm nach eigener Einschätzung Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie interessante Verwendungen, die zu seinen Fähigkeiten und Ansprüchen passen. Sein Ziel bei der Luftwaffe ist klar: Er möchte Hubschrauberpilot werden, Flugstunden und Erfahrungen sammeln und die Bandbreite der Aufgaben bei der Bundeswehr kennenlernen. Dafür bringt er bereits Kompetenzen mit und entwickelt sie für neue Aufgaben weiter.

Auch die Heimatschutzausbildung verlangte ihm trotz seiner Vorkenntnisse Neues ab. Bekanntes musste teilweise neu gedacht werden, hinzu kam die körperliche Belastung über Tage und Wochen hinweg. In drei Worten beschreibt Jonathan Titus diese Zeit als „Kameradschaft, Basics, Zeitenwende.“ Das Gelöbnis markiert für ihn zugleich den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Sein Anspruch geht dabei über das Fliegen hinaus: „Zeitgleich werde ich Offizier und will im besten Falle in der Bundeswehr etwas verändern und verbessern.“

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Vom Abitur direkt zur Bundeswehr: Elaine H. kommt aus dem ländlichen Nordhessen und für sie stand fest, dass sie einen praktischen und anspruchsvollen Weg einschlagen möchte. Besonders die technischen Aspekte und die sportlichen Herausforderungen der Luftwaffe reizten sie. Einen Bezug zur Bundeswehr hat sie bereits durch ihre Familie: „Mein Opa ist Stabsfeldwebel beim Heer und mein Papa ist Oberstabsfeldwebel im Unterstützungsbereich.“ 

Elaine möchte nun ihren eigenen Weg gehen. „Ich möchte bei der Luftwaffe meinen technischen Schwerpunkt weiter vertiefen, außerdem möchte ich mich fachlich und persönlich kontinuierlich weiterentwickeln und langfristig einen Beitrag zur Einsatzbereitschaft der Luftwaffe leisten.“ 
 

Die Heimatschutzausbildung war für sie dabei nicht das Ziel, sondern der Anfang. Sie empfand die vergangenen Monate als anspruchsvoll, mit körperlicher Fitness und mentaler Vorbereitung aber als gut zu bewältigen. Besonders positiv blieb ihr in Erinnerung, wie die Gruppe zusammenwuchs und sich die Rekrutinnen und Rekruten gegenseitig unterstützten. Auch die Entfernung bis zu Hause und die enge Zusammenarbeit mit anderen bedeuteten eine Umstellung.
 
Mit dem Gelöbnis übernimmt Elaine für sich bewusst Verantwortung und bekräftigt ihre Entscheidung für die Bundeswehr. Nun richtet sich ihr Blick auf den technischen Dienst und die nächsten Schritte ihrer Ausbildung. Die Heimatschutzausbildung beschreibt sie als „Kameradschaftlich, lehrreich und prägend.“

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Der Hamburger Jonas L. begann nach der Schule zunächst eine Ausbildung zum Tischler. Mit der Luftwaffe schlägt er nun einen neuen beruflichen Weg ein und gründet vielleicht eine Familientradition: Bereits sein Vater diente in der Luftwaffe.

Für Jonas beginnt damit ein Lebensabschnitt, in dem vieles anders ist als zuvor. Die Heimatschutzausbildung hat ihn gefordert und ihm gezeigt, was er leisten kann: „Ich bin über meine Grenzen gegangen und habe viel dazu gelernt, auch körperlich“. Vieles war für ihn neu – vom Schießen mit einer Waffe bis hin zu einem klar geplanten Tagesablauf. Während er den sportlichen Teil leichter als erwartet empfand, gehörte das frühe Aufstehen zu den größeren Umstellungen. Auch sein Umfeld nimmt Veränderungen wahr: „Meine Freunde wundern sich darüber, dass ich mich so schnell verändert habe, sowohl körperlich als auch mental.“

Nach der Heimatschutzausbildung wird sein Weg in die bodengebundene Luftverteidigung führen. In seiner Stammeinheit möchte Jonas zunächst das Waffensystem Patriot kennenlernen. Damit wird er künftig in einem Bereich eingesetzt, der dem Schutz des Luftraums über Deutschland und seinen NATO-Partnern dient. Doch das ist nicht das Ende eines festgelegten Karriereplans. Jonas ist gespannt, wohin ihn sein weiterer Weg bei der Bundeswehr führen wird.

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Gleich zwei zivile Berufserfahrungen bringt Jonas K. mit zur Luftwaffe. Der Allgäuer ist gelernter Koch und hat außerdem als Sanitäter im Rettungsdienst gearbeitet. Die Bundeswehr und speziell die Luftwaffe fand Jonas nach eigener Aussage schon immer interessant.  Auch sein älterer Bruder dient dort.

Nun möchte er selbst herausfinden, ob daraus ein langfristiger beruflicher Weg werden kann. Zunächst hat er sich für zwei Jahre verpflichtet. „Ich bin gespannt auf meinen weiteren Weg bei der Bundeswehr, speziell der Luftwaffe, und ich möchte mir die Bundeswehr zwei Jahre anschauen – und wenn es mir gefällt, meine Dienstzeit verlängern.“ Damit steht seine Geschichte auch für eine wichtige Seite des personellen Aufwuchses: Neue Soldatinnen und Soldaten zu gewinnen ist nur der erste Schritt. Ausbildung, Kameradschaft, persönliche Entwicklung und berufliche Perspektiven tragen dazu bei, ob Menschen ihren Weg langfristig in der Luftwaffe sehen. 

Einen ersten Eindruck davon hat Jonas während der Heimatschutzbildung gewonnen. Sie unterschied sich für ihn vor allem durch mehr Disziplin und eine höhere körperliche Belastung von seinem bisherigen zivilen Alltag. Sein Fazit ist positiv: „Die Ausbildung war sehr anstrengend. Ich bin erwartungsfrei an die Sache rangegangen und mit Kameradschaft und dem richtigen Willen ist sie machbar und prägend.“ Nach dem Gelöbnis blickt Jonas deshalb bewusst offen auf das, was als Nächstes kommt.

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Der Weg zur Bundeswehr war für Kolja P. kein spontaner Entschluss. Er bringt bereits unterschiedliche Berufs- und Lebenserfahrungen mit und arbeitete unter anderem als LKW-Fahrer, im Hotel sowie als Sport- und Fitnesskaufmann. Die aktuelle Sicherheitslage war für seinen Entschluss nicht ausschlaggebend, „[…], weil ich die Entscheidung, zur Bundeswehr gehen zu wollen, schon zehn Jahre in mir trage“.

Nun hat er den Schritt tatsächlich gemacht. Die Heimatschutzausbildung erlebte Kolja dabei weitgehend so, wie er sie sich vorgestellt hatte. Seine Lebenserfahrung habe möglicherweise dazu beigetragen, dass er sie nicht als besonders schwierig empfand. In drei Worten charakterisiert er diese erste Zeit als „kameradschaftlich, formend und stärkend.“ Mit dem Feierlichen Gelöbnis in Kandel findet dieser Abschnitt seines Weges in der Luftwaffe einen würdevollen Abschluss.

Damit steht Kolja für eine weitere Facette des personellen Aufwuchses: Die Luftwaffe gewinnt nicht nur Menschen unmittelbar nach Schule oder Ausbildung, sondern auch solche, die bereits berufliche Erfahrungen und Fähigkeiten mitbringen.

Für seine weitere Laufbahn möchte Kolja zunächst in seiner Stammeinheit ankommen, sich mit den Gegebenheiten der Bundeswehr vertraut machen und sich auf seinen neuen Dienst einstellen. Für die Zukunft lässt er sich Möglichkeiten offen. Vielleicht wechselt er später selbst einmal die Perspektive und gibt seine Erfahrungen weiter: Er kann sich vorstellen, eines Tages Rekruten etwas beizubringen.

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Bundeswehr (Alemanha)
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